Station 5

Werke der Barmherzigkeit

Im persönlichen Bereich spielen in der zwei Jahrtausende alten christlichen Tradition die Werke der Barmherzigkeit eine Rolle. Sie geben eine Anweisung, wie sich die Grundhaltung des Erbarmens in Taten ummünzen lässt.

 

Diese Thematik ist schon dem Alten Testament nicht fremd. So heißt es im Buch Jesaja mit Blick auf das Fasten der Frommen:

 

(Jes 58,3-11)

 

Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: / die Fesseln des Unrechts zu lösen, / die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, / jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, / die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden / und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.

 

Die neutestamentliche biblische Quelle ist die Gerichtsszene im 25. Kapitel des Matthäusevangeliums:

 

Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

 

Als Jesus gefragt wird, wer der Nächste ist, auf den sich die Nächstenliebe bezieht, antwortet er mit der Erzählung vom barmherzigen Samariter: (Lk 10,30-37) Darin wird ein Mann von Wegelagerern halbtot auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho liegen gelassen. Angesehene Männer – ein Priester und ein Levit – kommen an ihm vorbei und gehen weiter. Auch heute bleiben manche bei einem Autounfall nicht stehen, um zu helfen; schreiten für einen angegriffenen Menschen nicht ein. Doch ausgerechnet ein Mensch mit wenig Ansehen – ein Samariter – empfindet Mitleid, bleibt stehen, leistet Erste Hilfe, nimmt ihn zur nächsten Raststätte mit, bezahlt für ihn die Unterkunft und steht für weitere Ausgaben gerade.

 

Ist es gerecht, dass dieser Samariter für das Fehlverhalten der Wegelagerer zahlen muss? Natürlich nicht. Er gibt über die Gerechtigkeit weit hinaus, weil er mitleidet und anpackt.

 

So kann uns dieser Samariter zum Sinnbild für aktive Barmherzigkeit werden. Denn dieses Gleichnis zeigt uns noch etwas sehr Wertvolles: Wir müssen die Armen, die Geschlagenen und Verwundeten nicht irgendwo auf der Welt suchen. Sie liegen auf unserem Weg. Es reicht, nicht an ihnen vorüber zu gehen und anzupacken, wenn Gott uns einen hilfesuchenden Menschen über den Weg führt.

 

Der eine ist hungrig nach Nahrung, der andere nach Erkenntnis, der dritte nach Gerechtigkeit; Menschen sind durstig nach Wasser, nach Lebendigkeit, nach Sinn in ihrem Leben; Viele empfinden sich fremd und suchen Heimat und Geborgenheit; haben keine Freunde, gehören nirgends dazu; Kranke liegen allein zu Hause oder einsam im Krankenhaus; Gefangene finden wir nicht nur in staatlichen Gefängnissen. Auch gewalterfüllte Beziehungen können zum Gefängnis werden, die Sucht kann einsperren.

 

Zu den geistlichen Werken der Barmherzigkeit zählt es, Lästige zu ertragen, Zweifelnden Recht zu raten, Unwissende zu lehren oder Sünder zurecht zu weisen.

 

Wenn Sie Ihren aktuellen Lebensweg genauer betrachten, finden sich ganz sicher Menschen, die sich über Barmherzigkeit ihrerseits freuen würden.

 

Der barmherzige Mensch gibt über die Gerechtigkeit hinaus, weil er sich von Gott geliebt und verstanden weiß.

 

Auf diesem Weg wünschen wir Ihnen gutes Beobachten, inneren Frieden, das Bewusstsein, geliebt zu sein und den Mut und die Kraft, aus dem Mitleiden tätig zu werden.

 

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