Die Orgel

Eine Orgel besteht aus

Wie schaut das Notenblatt für einen Organisten aus?

Die Orgel der Pfarrkirche Inzing

Die Organisten

domorgel

Domorgel zu St. Jakob in Innsbruck
1998 - 2000 von der Fa. Pirchner/Steinach
bis auf das Gehäuse neu erbaut
Foto: Watzek, Hall

Die Orgel ist ein Tasteninstrument mit Lippen- und Zungenpfeifen, die durch ein Gebläse zum Erklingen gebracht werden. Kein Instrument kann sich mit ihr an Tonumfang und Tonstärke vergleichen. Mit ihren verschiedenartigen Klangfarben (Registern) kann sie wie ein ganzes Orchester klingen. Sie war auch das erste Instrument, für das die Elektrizität nutzbar gemacht wurde.

Ihre lange Geschichte umfasst die Zeit der römischen Gladiatoren (Zirkusorgel), der mittelalterlichen Monarchen und christlichen Kirchen ebenso wie das Zeitalter von Film, Funk und Fernsehen. Sie war das bevorzugte Instrument großer Komponisten wie Gabrieli, Frescobaldi, Buxtehude, Händel, Bach, Franck oder Messiaen, um nur ein paar der wichtigsten zu nennen.

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Die Orgel besteht aus dem Pfeifenwerk, dem Windwerk und dem Regierwerk.

Pfeifenwerk: Eine Orgel kann zwischen einigen hundert und mehreren tausend Pfeifen haben, deren Länge von einigen Zentimetern bis zu zehn Metern reicht. Grundsätzlich gilt: Je größer und „dicker" eine Pfeife, umso tiefer der Ton und umgekehrt. Die Größe der Pfeifen wird immer noch im englischen Fußmaß angegeben. Z.B. bedeutet also 8 Fuß ( geschrieben 8'): Die tiefste Pfeife, das große C, hat die Länge von 8 Fuß, das sind ca 8 x 32cm, macht ungefähr 2 m 56. Eine 4'-Pfeife ist um die Hälfte kleiner, klingt also eine Oktave höher als auf dem Notenblatt geschrieben, in der anderen Richtung hat eine 16'-Pfeife die doppelte Länge einer 8' - Pfeife und klingt eine Oktave tiefer als geschrieben. Mit einer einzigen Taste können also durch entsprechende Registerzüge bsp. 10 oder sogar mehr Pfeifen zugleich erklingen, so ergibt sich bei vier- oder mehrstimmigem Spiel (Pedal mitgerechnet) schon das Volumen einer Musikkapelle. Die Zahl der Register - und damit der Pfeifen - bestimmt also die Größe einer Orgel, die ihrerseits auf Größe und Akustik des Kirchenraumes „zugeschnitten" sein muss. Jede Orgel ist ein Unikat!

Labial- oder Lippenpfeifen erzeugen den Ton wie Flöten. Der Wind wird durch die Kernspalte auf die Schneidekante des Oberlabiums und dort teils nach außen, teils in die Pfeife hineingeleitet. Die 8'- Pfeife lässt sich mit den Oktaven 4', 16' und 32' als sogenannte Grundstimmen verstärken. Zur Klangfarbenveränderung baute man die Obertonreihe aus. Diese Obertonpfeifen können als Aliquotstimmen ebenfalls an dieselbe C-Taste gekoppelt werden, z. B. die Quinte g mit der Pfeifenlänge 2 2/3'. Andere Pfeifen werden zu Mixturen gekoppelt, häufig c1 + g1 + c2 . Die Einzelpfeife wird zu Tonleiterreihen, Registern, ergänzt. Gedackte Pfeifen sind oben geschlossen, sie klingen dunkler und eine Oktave tiefer. Andere Register liefern der Orgel weitere Klangfarben. Dies hängt u. a. vom Material (Holz oder Metall), von der Form (konisch-zylindrisch) oder von der Mensur, also dem Verhältnis vom Durchmesser zur Länge der Pfeife, ab.

Lingual - oder Zungenpfeifen erzeugen den Ton durch eine Zunge, die auf einer im Pfeifenkopf steckenden Kehle befestigt ist. Die Form des Schallbechers bestimmt die Klangfarbe. Wegen ihres scharfen Klanges werden Zungenpfeifen solistisch und in Plenomischungen verwendet.

krummhornkrummhorn

Blick in das Krummhornregister unserer Orgel

Die Registeranordnung geschieht je nach Disposition der Orgel sowie der Architektur und Akustik des Kirchenraumes in Klanggruppen, so genannten Werken. Das Hauptwerk in der Mitte des Prospektes wird vom Hauptmanual bedient. Das Oberwerk und das Rückpositiv (falls vorhanden) werden vom 2. und 3. Manual gespielt, große Orgeln besitzen noch ein Brustwerk (in Brusthöhe des Spielers) mit hellen Solostimmen. In den Pedaltürmen stehen die langen Basspfeifen.

Windwerk: Früher verwendete man einen einzigen Blasbalg, der getreten wurde. Die Luftversorgung war aber ungleichmäßig. Seit dem 17. Jahrhundert arbeitete man mit Doppelbälgen: Ein Schöpfbalg pumpt die Luft in einen Magazinbalg, der einen gleichmäßigen Luftdruck erstellt. Heute ist der Schöpfbalg durch ein elektrisches Gebläse ersetzt. Windkanäle leiten den Wind zu den Windkammern und zu den Windladen, auf denen die Pfeifen stehen.

Regierwerk: Die Verbindung der Tasten mit dem Pfeifenwerk, die Traktur, ist im klassischen Orgelbau mechanisch. Bei den meisten Orgeln sind die Register auf zwei (drei oder sogar vier) Spieltische für die Hände (=Manuale) und das Pedal (=Klaviatur für die Füße) aufgeteilt. Auf diese Weise lässt sich am schnellsten von einer leisen Registrierung (z. B. Liedeinspielung) zu einer stärkeren (Gesangsbegleitung) wechseln. Je nach Charakter des Stückes, Raumakustik, Art des Gottesdienstes oder eines Konzertes und Möglichkeiten des Instrumentes wählt der Organist die Registrierung. Er registriert die Orgel entweder selbst, oder er lässt sich, zumal bei häufigen Registerwechseln innerhalb des Stückes, von einem Registranten unterstützen. Manual (Hauptwerk) und 2. Manual (z. B. "Positiv", weil in einem räumlich abgesetzten Gehäuse aufgebaut) lassen sich koppeln und zusätzlich beide Manuale noch ins Pedal hinunter. Und alle Register zusammengekoppelt ergeben dann das volle Werk, das besonders im vorderen Kirchenraum und im Altarraum schön zur Geltung kommt.

orgelplan

Skizze: Querschnitt einer typischen mechanischen Orgel
aus: „Eine kurze Geschichte der Orgel", Verfasser: Josef Weimbs Orgelbau GMBH, 53948 Hellental

Im Passauer Dom entstand durch Erweiterungen nach und nach die größte Orgel Europas, zugleich die größte Domorgel der Welt. Sie wurde in den Jahren 1924 bis 1928 von der Firma Georg Friedrich Steinmeyer aus Oettingen gebaut und dann von 1978 bis 1981 von der Passauer Orgelbaufirma Ludwig und Wolfgang Eisenbarth neu gestaltet. Heute sind in den fünf Orgelwerken insgesamt 17.794 Pfeifen und 233 Register zu finden, die alle über den fünfmanualigen Hauptspieltisch auf der Empore gespielt werden können.

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Wie schaut das Notenblatt für einen Organisten aus?

Einfache Volksbegleitung - wie hier das bekannte „Lobe den Herren" - wird auf zwei Notenliniensystemen geschrieben, gleich wie beim Klavier. Die rechte Hand spielt Sopran - und Altstimme, die linke Hand den Tenor, und die Bassstimme wird vom Pedal übernommen. Selbstverständlich sollte auch das Pedalspiel ohne Blick nach unten gelingen. Viel Übung bringt's.

lobe_den_herren

Schwieriger wird es bei großen Orgelwerken. Hier muss der Organist drei Notenzeilen zugleich lesen, vereinfacht gesagt: oberste Zeile rechte Hand, mittlere Zeile linke Hand und die dritte Notenzeile enthält die Pedaltöne. Hier darf man mit Notenlesen wirklich kein Problem mehr haben. Als Beispiel seien hier die ersten 3 Systeme eines Präludiums in G-Dur von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) gebracht.

praeludium

Eine besondere Art des Orgelspiels ist das Triospiel. Es gehört zu den reizvollsten, oft auch schwersten Aufgaben des Organisten, da es völlige Selbstständigkeit der beiden Hände und Füße voraussetzt und durch die ständige Benutzung der beiden Manuale auch Anlass zu feinsinnigen Registermischungen bietet.

sonata

Die sechs Orgeltrio-Sonaten sind Höhepunkte der Orgelwerke von Johann Sebastian Bach. Die ausgewogene Dreistimmigkeit dieser Sonaten legt eine Fassung für drei Streichinstrumente nahe. Während die Ausführung dieser Sonaten auf der Orgel wegen ihrer durchgängigen Polyphonie als heikle, schwer spielbare Werke gelten, ist diese herrliche Musik von drei Streichinstrumenten ohne größere technische Schwierigkeiten zu realisieren.

Ist es einer Musik gelungen, uns in unserem ganzen Wesen nach dem Edlen auszurichten, so hat sie das Beste getan. Hat ein Komponist seine Musik so weit bezwungen, dass sie dieses Beste tun konnte, so hat er das Höchste erreicht. Bach hat dieses Höchste erreicht."

Paul Hindemith über Johann Sebastian Bach   

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Die Orgel der Pfarrkirche Inzing

inzinger_orgel

Ob in der 1451 geweihten und ca.1777 abgerissenen Inzinger Kirche eine Orgel stand, ist nicht sicher nachzuweisen. Die Umstände sprechen dafür, dass man dies annehmen kann.

Fischnaler erwähnt in seiner Innsbrucker Chronik, dass der Orgelbauer Anton Fuchs 1774 die Orgeln zu Mariahilf in Innsbruck und in Inzing - damals stand noch die alte Kirche - repariert habe. Die Orgel, die Fuchs neu aufgestellt oder reparierte, besaß ein stattliches Ausmaß, ,,ein gutes Werk mit 21 Registern``. In den Jahren 1780/81 wurde unsere Pfarrkirche durch den Tiroler Orgelbauer Franz (I.) Xaver Fuchsmit einer neuen Kirchenorgel ausgestattet. 1866 reparierte der Orgelbauer Weber aus Oberperfuß die Orgel und wechselte dabei einige Register aus. Der zweite große Eingriff erfolgte 1905 von Anton Behmann aus Schwarzach in Vorarlberg. Dies geschah aber zum klanglichen Nachteil. Der Spieltisch befand sich damals unter den Prospektpfeifen, das sind die nach außen sichtbaren Pfeifen, der Organist wandte den Rücken zum Hochaltar.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Prospektpfeifen (Prinzipal 8') aus Zinn für Kriegszwecke „eingezogen" Damit fehlte der Orgel ein wichtiges stimmführendes Register und ihre Tonstärke war für den großen Kirchenraum zu schwach. Rechts am Hauptwerk der „Behmannorgel" befand sich ein umfangreicher Kasten, in dem die Windzufuhr, der Blasbalg, untergebracht war. Jahrelang trat der ,,Blinde Luis`` aus unserem Armenhaus zuverlässig den Balg. 1935 lieferte die Elektrofirma Obermann und Czettel in Innsbruck ein elektrisches Gebläse, das für 28 Register bestimmt war. Die Arbeiten besorgte der Betriebsleiter unseres E-Werkes, Josef Köhle.

Es vergingen noch Jahrzehnte, bis es zu einer fachgerechten Restaurierung kam. 1955 konnte Meister Johann Pirchner aus Steinach mit dem Umbau beginnen. Da unsere Orgel unter Denkmalschutz steht, forderte das Landesdenkmalamt, dass die Fehler, welche bei früheren Eingriffen erfolgt waren, behoben werden müssen und dass die Originaldisposition des Instrumentes anzustreben sei.

Dem ist Meister Pirchner im Großen und Ganzen nachgekommen. Das Instrument umfasst im Hauptwerk 11, im Rückpositiv 7 und im Pedal 6 Register, dazu eine Manual- und zwei Pedalkoppeln. Der Spieltisch wurde an der Nordseite des Hauptwerkes positioniert, der viel Platz fordernde Blasebalg in der Seitennische eingebaut. Seither steht dem Chor der gesamte Nordraum zur Verfügung. Das Rückpositiv setzte Pirchner wieder instand und bereicherte die Klangfarbe und -fülle unserer Orgel.

Nach einem Zeitraum von fast 50 Jahren wurde 2004 eine Restaurierung dringend notwendig, da die mechanische Traktur doch stark gelitten hatte und ein verlässliches Spiel wegen hängen gebliebener Töne fast nicht mehr möglich war. Auch diese Arbeiten wurden von der Orgelbaufirma Pirchner in bekannter Qualität durchgeführt.

Die Verteilung der Register, im Fachjargon Disposition genannt, sieht folgendermaßen aus:

Hauptwerk: 810 Pfeifen Rückpositiv: 378 Pfeifen Pedal: 180 Pfeifen
Bordun 16' (Fuß)
Prinzipal 8'
Gemshorn 8'
Flöte 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Oktave 2'
Cornett 2'
Mixtur 1 1/3'
Dulcian 8'
Gedackt 8'
Salizet 8'
Prinzipal 4'
Waldflöte 2'
Quinte 1 1/3'
Cymbel 1'
Krummhorn 8'
Prinzipalbass 16'
Subbass 16'
Oktavbass 8'
Quintbass 5 1/3'
Choralbass 4'
Posaune 16'
Koppeln:
Hauptwerk - Pedal, Rückpositiv - Pedal, Rückpositiv - Hauptwerk

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Die Organisten

Zum musikalischen Wedegang unserer Organistin.

 

An der Orgel bin ich eine „Spätberufene": Ich habe erst als Erwachsene mit dem Orgelspiel begonnen. Klavierunterricht erhielt ich allerdings schon ab meinem achten Lebensjahr. Seit meiner Kindheit ist J.S. Bach mein Lieblingskomponist. Durch ihn habe ich die geistliche Musik kennen und lieben gelernt.
Mag.a Gabi Schöch
Für mich ist das Faszinierende an der Kirchenmusik, sei es ein einfaches Lied oder ein großes Chor- oder Orgelwerk, dass sie danach strebt, eine Brücke zwischen Himmel und Erde zu bauen. Außerdem schafft sie, wie jede Musik, eine Gemeinschaft zwischen den Menschen. Darum ist es mir immer wieder eine große Freude, zum Gottesdienst die Orgel zu spielen!

 

Unser Motto:
„Bei einer andächtigen Musik ist allezeit Gott mit Seiner Gnaden Gegenwart"
(handschriftliche Notiz J. S. Bachs in der von ihm benützten Bibel).

Lit.: Inzinger Dorfbuch, Großes Lexikon der Musik, dtv - Atlas Musik, Inzinger Dorfchronik Dir. Franz Pisch
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