15. 10. 2017

Liebe Festgäste!

Heute möchte euch so ansprechen,
weil auserwählt sind,
am Festmahl unseres Herrn teilzunehmen.
Wir sind Festgäste.
Zugleich merken wir, dass vielen Menschen
und wahrscheinlich auch vielen von uns das schnurzegal ist,
dass wir hier Auserwählte sind.
Dass wir manchmal sogar fragen:
ist es Pflicht an diesem Sonntag zur Messe zu gehen,
ist es schwere Schuld, einfach zu Hause zu bleiben
oder etwas anderes zu machen?

Wir merken, da stimmt manches nicht:
Auf der einen Seite das Geschenk,
das unbegreiflich Große,
dass der Herr selbst sich hingibt,
sich uns in die Hände, in unsere Herzen legt.
Und auf der anderen Seite die Müdigkeit,
die Unlust, der Überdruss,
ja manchmal die Ablehnung zu diesem Fest zu gehen.

Was ist da so krank in uns, in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche?

Ich möchte bei mir selber beginnen und bekennen:
Unsere Gestaltung der Gottesdienste ist manchmal eine Zumutung.
Wir bemühen uns oft sehr wenig, ansprechend das Wunderbare,
das uns geschenkt ist auch zu würdigen
und den Zugang dazu zu schaffen.
Ich denke, wir müssen mit allen Mitteln und Kräften versuchen
Menschen zu diesem Geheimnis hinzuführen.
Wir müssen uns gewissenhaft auf die Begegnung mit dem Herrn vorbereiten, und alle Kraft und Phantasie verwenden,
damit es auch wirklich ein Fest wird und nicht ein Trauerspiel.

Aber das wird es wohl nicht allein sein,
dass wir der Einladung zu Fest oft nicht folgen.
Vielleicht ist es die Entfremdung der Liturgie.
Wir müssen auch unser Leben mit dem Fest verbinden.
Es ist ja nicht irgendein Hochzeitsmahl.
Es ist das Feier von Tod und Auferstehung des Herrn,
aber auch zugleich seine Hingabe an jeden von uns.
Und er lädt uns ein unser Leben, unsere Unerlöstheit,
unsere Sorgen und unsere Mitmenschen zu bringen.
Wenn wir uns nicht einbringen,
auch mit unserer Schuld, und mit unseren Lasten,
mit unserem Dank und mit unseren Gaben,
dann kann diese Gnade der Begegnung
dann kann dieses Fest nicht stattfinden.
Wir müssen uns beim Gottesdienst auch fragen:
Was bringe ich mit? Was möchte ich, dass es gewandelt wird?

Und was bringen wir heute mit?
Ganz konkret aus dem Leben?
Es ist wohl naheliegend heute am Tag (vor) der Nationalratswahl
für unser Land, für die Verantwortlichen
und für eine gute Wahl zu beten!
Unser Diözesanadministrator Jakob Bürgler
hat bei der letzten Nachtwallfahrt ach Georgenberg
ein paar Gedanken zur Wahl ausgesprochen:
In letzter Zeit sagen viele Menschen:
„Ich weiß nicht mehr, wen oder was ich wählen soll.
Es gibt überall Punkte und Themen,
denen ich nicht zustimmen kann.
Ich bin ganz unschlüssig."
Bei diesem Sumpf an Abscheulichkeiten,
der in den vergangenen Wochen an die Oberfläche gekommen ist,
ist das auch kein Wunder.
Menschen werden regelrecht kaputt gemacht.
Die negativen Kräfte hocken überall in den Startlöchern.
Was sollen wir tun?
Was kann helfen, die Verantwortung für den Staat
in einer guten Weise wahrzunehmen?
Ein wichtiger Orientierungspunkt
scheint mir die „Menschenwürde" zu sein.
Wie gehen politische Mandatare und Parteien
mit dem „Menschen" um?
Wird die unantastbare Würde des Menschen
in Wort und Tat deutlich und erfahrbar?
Die Menschenwürde betrifft den Schutz des ungeborenen
wie auch des alten und gebrechlichen Lebens.
Sie betrifft den Umgang mit flüchtenden und mit armen Menschen.

Natürlich gibt es auch noch viele andere Kriterien.
Der Schutz unserer Erde,
der Umgang miteinander,
die Wirtschaft und Arbeit.
Es wurde viel darüber gesprochen.
Was aber ganz wesentlich ist:
Bitte geht hin zur Wahl.
Nehmt eure Verantwortung wahr.
Denn:
Ich kann mich noch gut an ein Schularbeitsthema
in meiner Gymnasialzeit erinnern, das gelautet hat:
Wer in der Demokratie schläft - also nicht zur Wahl geht -
der wacht in der Diktatur auf.
Amen.

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