12. 11. 2017

Predigt: 11/12. November 2017 in Inzing und Polling

Kevin Hellmuth

Geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht!

Das ist die Antwort der fünf klugen Jungfrauen, auf die Frage der törichten. Geht und besorgt euch gefälligst selber, was ihr braucht.

So lesen wir es heute im Evangelium...

Heute, am Tag des heiligen Martin. Jenes Mannes, der seinen Mantel, zerschnitten und mit dem armen Bettler geteilt hat....

Auf der einen Seite haben wir diese Frauen, die nicht helfen und dafür auch noch belohnt werden und auf der anderen Seite haben wir den hl. Martin, der teilt, der hilft, der den armen Bettler vor dem erfrieren rettet...

Wie kann das gehen? Die fünf Frauen weigern sich zu helfen und bekommen dafür den Bräutigam und die anderen fünf müssen draußen bleiben...

Paradox, vor allem wo wir noch im gleichen Kapitel des Matthäusevangeliums lesen können:

Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.

Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Beim Gleichnis von den zehn Jungfrauen muss es also etwas geben, dass die Situation so sehr anders macht.

Wenn wir das Öl mit euch teilen, „Dann reicht es weder für uns noch für euch"

Hier scheint ein wichtiger Unterschied versteckt zu sein. Wenn wir das Öl teilen, dann reicht es für keinen von uns.

Wir sollen einander helfen, wir sollen uns für einander engagieren und uns unterstützen, Ja ...

Aber Helfen, teilen und unterstützen stehen immer unter dem Ziel Leid, Not oder Bedürftigkeit zu lindern und nicht sie zu steigern.

Wenn wir so viel von uns geben, dass uns gar nichts mehr bleibt, dass wir jetzt selbst die sind, die nichts mehr haben, die Martin um den Mantel und die anderen Frauen um das Öl bitten müssten,

wenn wir selber erfrieren oder im Dunkeln sitzen würden, genau wie der oder diejenige, dem wir helfen wollten, wem ist dann geholfen?

Jetzt könnte man einwenden: Ja aber Christen sind doch zur Nächstenliebe berufen und sollen immer geben und den Nächsten unterstützen.

Das ist richtig und doch ist es falsch. Ja, wir sind zur Nächstenliebe berufen, ja wir sollen teilen was wir haben, sollen versuchen Not zu lindern. Doch der Auftrag an uns lautet nicht: Liebe deinen Nächsten mehr als alles andere, sondern: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

Die Liebe zu uns selbst geht einer gut gelebten Nächstenliebe voraus.

Der Aufruf eine Gemeinschaft der Liebe zu sein, einander zu lieben kann nur dann fruchtbar sein, wenn es ein Gleichgewicht gibt zwischen der Sorge für mich selbst und der Sorge für den Nächsten.

Bei Martin sieht man das ganz deutlich: Er teilt den Mantel mit dem Bettler, der sonst erfrieren würde, der nicht die Möglichkeit hat aufzustehen und zu kaufen was er braucht, so wie es bei den fünf Jungfrauen beschrieben wird.

Er ist angewiesen auf die Hilfe und zwar existenziell angewiesen, ohne Martins Hilfe wäre er gestorben. Und Martin nimmt seinen Mantel und teilt ihn.
Ich weiß nicht, ob einige von euch schonmal die Zeichnung eines römischen Militärmantels gesehen haben, aber es waren sehr große und breite Stoffe. Das heißt, dass Martin seinen Mantel teilen konnte, ohne danach selber da zu sitzen und zu erfrieren, er hatte die Mittel zu helfen und zwar so zu helfen, dass wirklich das Leid gelindert worden ist.

Bei Martin haben wir das Gleichgewicht er sieht die Not des anderen. Des anderen Menschen, der genau wie er ein geliebtes Geschöpf ist in dem ihm, genauso wie in jedem anderen Menschen Christus selber gegenübersteht und er teilt das was er hat, ohne dabei für sich selbst schaden hervorzurufen.

Statt Schaden schlug ihm aber natürlich Spott entgegen. Er, ein mächtiger Hauptmann der römischen Armee kommt hoch zu Ross in die Stadt geritten und hat nur einen zerschnittenen Mantel über der Rüstung. Er wird das Gespött vieler seiner Kollegen und der Bewohner gewesen sein.

Aber das ist ihm egal und das muss auch uns egal sein. Denn Eitelkeit und der Wunsch nach Ansehen sind kein Ausdruck der Selbstliebe, sondern vielmehr der Selbstverliebtheit. Diese aber macht blind für den anderen, macht blind dafür, dass auch er oder sie den genau gleichen Wert und die gleiche Würde hat wie ich.

Es gibt da ein schönes Kinderlied, das ich aus einigen Familienmessen zuhause kenne: In jedem Menschen Christus sehen und nicht an ihm vorüber ziehn.

Gott in jedem Menschen sehen... was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan ...

Darin steckt nicht nur der Aufruf zur Nächstenliebe, sondern darin steckt auch eine Zusage: ICH BIN DA, mitten unter euch, mitten in DIR.

Gott ist dabei, in Freude und im Leid, er ist dabei, wenn wir gute Entscheidungen treffen, genauso wie wenn wir falsche treffen. In unserem Handeln antworten wir auch immer wieder auf die Liebe Gottes zu jedem Einzelnen von uns. Er streckt uns seine Hand immer wieder aufs Neue entgegen um mit zu sein. Machen wir uns also auf den Weg um diese ausgestreckte Hand anzunehmen, die uns in jedem Menschen begegnet. In dem Menschen der uns gegenübersteht und letztlich auch in uns selbst.

In uns selbst... das heißt auch, dass unsere Beziehung zu Gott nicht nur an anderen Menschen hängt, sondern auch an uns ganz persönlich.

Wir sind in Gemeinschaft und wir leben in Gemeinschaft, aber, wir haben auch eine Eigenverantwortung die uns niemand abnehmen kann.

Auch das zeigt uns dieses Gleichnis heute ganz deutlich. Die klugen Jungfrauen zeigen Eigenverantwortung, sie nehmen das Öl mit und sind somit bereit für den Bräutigam, sind bereit für die Beziehung, sind bereit auf die neue Situation zu reagieren und richtig zu handeln.

Die törichten Jungfrauen, zeigen diese eben nicht. Sie ziehen los ohne sich bereit gemacht zu haben, ohne darüber nachgedacht zu haben, was es braucht, damit diese Begegnung gelingen kann. Und diese Vorbereitung ist etwas, was ihnen niemand abnehmen kann.

Haltet euch bereit! Der Aufruf am Schluss des Gleichnisses gilt nicht nur den Aposteln, denen er diese Geschichte erzählt hat, sondern er gilt vor allem uns.

Es ist der Aufruf zur Eigenverantwortung,

es ist der Auftrag zur Selbstliebe

und

es ist der Auftrag aus diesem Fundament heraus die Nächstenliebe zu leben, Leid zu lindern

und vorbereitet für den gemeinsamen Weg,

die ausgestreckte Hand Gottes zu ergreifen

und zu antworten: JA, ich bin bereit!

Amen

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